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Tagesvater: Ein Job, der glücklich macht

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Eltern überlassen ihm ihr Kostbarstes

Carsten Rieck ist Tagesvater und ohne Einschränkung arbeitsglücklich®. Das war nicht immer so. Bevor er seine Berufung fand, tat er sich sehr schwer. Abgestempelt als Kind, das sozial nicht tragbar für eine Regelschule war, lief er Gefahr aus dem Ruder zu geraten. Dank einer wunderbaren Person, einer Lehrerin seiner Schule, die zu ihm stand, erfuhr er am eigenen Leib, was Zuneigung und Liebe bewirken kann.

 

 

Carsten, du wärst als Schüler fast von der Schule geflogen, kannst du bitte beschreiben, wie es dazu kam?

 

Als ich ein Teenager war sind meine Eltern mit mir von Bochum nach Schwerte umgezogen. Das kam gefühlt einer Entwurzelung gleich. Alle meine Freunde, für mich wichtige Kontakte und den Halt durch meinen Sportverein verlor ich von jetzt auf gleich. Als Teenager waren meine Freunde und der Sport meine Identifikation. Der Start in der neuen Stadt gelang mir einfach nicht. Ich war Revoluzzer, gemein zu meiner Umwelt und fand mich nicht zurecht. Meine Eltern hatten es nicht leicht mit mir. Mein Vater hat mich sehr streng und immer fordernd erzogen, meine Mutter hingegen wollte mich über behüten. Du kannst dir vorstellen, wie das alles auf mich gewirkt hat.

 

Das war sicher eine schwierige Zeit, umso schöner, dass es jemanden gab, der zu dir gehalten hat. Was hast du nach der Schule gemacht?

 

Zuerst habe ich meinen Zivildienst geleistet, das hat mir grundsätzlich gut gefallen. Danach wurde ich irgendwie Bürokaufmann. Den Sinn im Stapeln von Papieren von rechts nach links konnte ich allerdings nie entdecken. Das war gar nichts für mich. Ich bin kein Bürotyp, ich trage keine Anzüge, bin eher leger unterwegs. Als Bürokaufmann habe ich mich unwohl gefühlt. Ich brauche Freilauf und habe viele Ideen, die ich umsetzen möchte. Das passt alles nicht in einen Büroalltag!

Nach einer längeren Arbeitslosigkeit habe ich sehr dafür gekämpft Erzieher zu werden. So wie ich Schule und Erziehung selbst erlebt hatte, wollte ich es nicht belassen. Kindern eine freie und uneingeschränkte Entfaltung zu bieten, war, seitdem ich mich sehr ausführlich mit Neurobiologie befasst habe, mein Wunsch. Neurobiologie fasziniert mich sehr, es ist ein Lernfeld, welches ich noch tiefer durchdringen möchte. Ich habe damals Ursula von der Leyen in Berlin angeschrieben, um ihr mitzuteilen, dass ich zum Erzieher umschulen möchte. Das Arbeitsamt in Schwerte wollte oder konnte mich diesbezüglich nicht unterstützen und Erzieher würden nicht gebraucht, hieß es damals. Schlussendlich hat sich unser damaliger Bürgermeister für mich eingesetzt und ich hätte dann doch umschulen dürfen.

 

Warum hast du es nicht getan oder was kam dazwischen?

 

Unser Sohn kam dazwischen. Der wunderbarste Zwischenfall, den ich mir denken kann! Dann habe ich Prioritäten gesetzt. Ich wollte Zeit mit meinem Kind verbringen, es aufwachsen sehen und erleben, wie mein Sohn sich entwickelt. So wurde ich Tagesvater. Der schönste Job der Welt.

 

Was genau ist für dich das Schönste daran?

 

Es ist die große Verantwortung, die ich trage und die täglich neuen Herausforderungen. Die Eltern meiner Tageskinder vertrauen mir ihr Wertvollstes an, ihre Kinder. Ich bin selbstständig und meine Arbeit kommt zu mir nach Hause. Ich habe keine Verluste durch An-und Abreise und somit noch mehr Zeit für meine Familie. Die Arbeit mit den Kindern gibt mir geistige Energie, trotz körperlicher Anstrengung fühle ich mich täglich bereichert und glücklich.

Ich liebe es strukturiert zu arbeiten und halte mich an bestimmte Abläufe. Koche jeden Tag frisches Mittagessen für meine Kinder. Wir gehen fast täglich und auch bei Wind und Wetter raus in die Natur oder malen auf der Straße mit Kreide. Mir bleibt genug Zeit für private Interessen wie die Bildungsdiskussion, an der ich mich beteilige und für das Mut zur Liebe Projekt, was ich mit meiner Frau und einigen anderen Menschen betreibe. Um es mit deinen Worten zu sagen, ich bin tatsächlich arbeitsglücklich®.

 

Lieber Carsten, ich danke dir für den persönlichen Einblick in dein Leben und deine Beschreibung von deinem arbeitsglücklichen Berufsleben. Ich wünsche dir, dass du deine Arbeit mit den Kindern weiterhin so sehr genießen kannst und für deine privaten Pläne und Träume ausreichend Zeit findest.

Carsten Rieck macht Menschen und vor allem Kinder glücklich. Er liebt es ihnen kleine Überraschung auf den Bürgersteig oder die Straße zu malen, hinterlässt auf diese Weise Geburtstagsgrüße und freundliche Botschaften. Seine Spezialität: selbst gemixte Riesenbubbles – die duften sogar nach Apfel oder nach anderen Früchten. Infos hier:

 

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