In Balance bis zur Rente arbeiten

Lebensvorstellung bewusst in die Tat umgesetzt

Mirka Hellemacher ist 32 Jahre, lebt in Aachen und hat im Januar 2018 ihren Arbeitgeber gewechselt. Sie hat dabei bewusst ihre Arbeitszeit reduziert, ein Home Office eingerichtet und beim Stellenwechsel darauf geachtet, dass die Chemie unter den Kollegen stimmt und die Sicht ihres Arbeitgebers auf das Leben, auch zu ihrer persönlichen Einstellung passt.

 

Wie gut es ihr mit dieser Entscheidung geht, erzählt sie mir während eines herrlichen Stadtbummels durch ihre Heimatstadt Aachen.

Mirka, du hast deine sichere Führungsposition in einem Verband gekündigt und arbeitest seit Anfang des Jahres beim Institut für soziale Innovation in Solingen. Was hat dich zu diesem Jobwechsel bewogen?

Mirka: In den recht festen Strukturen im öffentlichen Dienst konnte ich meinen Drang freier zu leben und zu arbeiten nicht so ausleben, wie ich es mir gewünscht hätte. Und so habe ich eine neue Job-Chance ergriffen, als sie sich bot.

Grundsätzlich habe ich bewusst einen Arbeitgeber gewählt, bei dem ich mich für meine Vorstellung, das Leben freier zu gestalten nicht rechtfertigen muss. Mein jetziger Arbeitgeber vertraut darauf, dass ich selbstverantwortlich arbeite und daher ist auch das Home Office eine logische Selbstverständlichkeit für ihn. Ich fahre nur etwa alle zwei Wochen von Aachen nach Solingen, um die Kollegen und den Chef zu treffen. Den Rest machen wir telefonisch und online.”

Ich genieße die  neu gewonnene Möglichkeit meine Arbeitszeit frei einzuteilen. So kann ich zum Beispiel jetzt mit dir hier in der Sonne sitzen und am frühen Abend gehe ich nochmal an meinen Schreibtisch.

Was sind deine Aufgaben beim Institut für soziale Innovation?

Mirka: Ich bin Prozessbegleiterin. Unser Institut berät öffentliche Einrichtungen, wie zum Beispiel die Wohlfahrt oder auch städtische Verwaltung zu Strategie- und Organisationsentwicklungen. Das übergeordnete Ziel ist, soziale Innovation voran zu treiben. Um ein Beispiel zu nennen, arbeite ich aktuell an einem Projekt zum Thema Bürgerschaftliches Engagement. Ziel im Prozess ist es, die sehr verschiedenen Perspektiven und Einrichtungen an einen Tisch zu bekommen und das vielfältige Potential gemeinsam für die Sache zu nutzen.

Spannend! Und das in 20 Stunden pro Woche? 

Mirka: Dein Augenzwinkern verstehe ich gut. Die 20 Stunden habe ich bewusst so gewählt, denn ich kenne mich selbst sehr gut. Hätte ich meinem Arbeitgeber 40 Stunden zugesagt, wäre ich am Ende bei 60 herausgekommen. Meine Arbeit macht mir Spaß, ich bin da ganz tief drin und daher lasse ich den Stift nicht pünktlich nach 20 Stunden fallen. Auch nicht im Home Office, wo es keiner kontrolliert. Zudem ist mein Life Design so gestaltet, dass mir noch Zeit für meine Ying-Yogaausbildung und gemeinsame Pläne mit meinem Lebenspartner und seinem kleinen Reiseunternehmen bleiben. Das war früher so nicht möglich und das hat mich unzufrieden werden lassen.

Das kann ich gut verstehen und ich finde du bist ein sehr zeitgemäßes Beispiel für eine neue Bewegung in der Arbeitswelt und für die Veränderung in der Denkweise über Leben und Arbeit. Der Faktor Zeit und der empfundene Sinn in der eigenen Tätigkeit steht dabei im Fokus. Du hast das Reiseunternehmen erwähnt, lass uns doch bitte aus diesem gemütlichen “Last Exit” – Studenten Cafe loseisen und in deine Stadt aufbrechen. Ich bin schon so gespannt.

Ein kurzer erster Eindruck von Aachen

Den alten Stadtkern von Aachen kann man am besten zu Fuß erlaufen. Und so machen wir es auch. Vom Hauptbahnhof über die Krakaustraße, wo wir im Last Exit ein köstliches Frühstück in der Sonne eingenommen haben, kommen wir am Mörgens vorbei. Mörgens ist eine Zweigstelle des Theater Aachen. Weniger pompös als das große Theater am Theaterplatz 1, Mirka empfiehlt gerade deswegen einen Besuch. Im Vorbeigehen dringen die Theaterproben durch die weit geöffneten Fenster und wir erhalten eine kostenlose Akustik Probe.

Sehr schöne Geschäfte reihen sich in der Annastraße aneinander. Aufwendig ausgestattete Wollläden, ein Handpuppen Geschäft mit einer herzigen Verkäuferin und kleine Inhaber geführte Lädchen. “Die ist arbeitsglücklich®!” bemerkt Mirka, als wir durch das Schaufenster des Geschäfts sehen, wie die Dame mit ihren Puppen spielt und spricht. Wir sind begeistert über ihre Offenheit und die Liebe zu ihrem eigenen Produkt.

 

 

Mirka zeigt mir einen ihrer Lieblingsplätze in der Elisabethstraße 10. Ein sehr stilvolles altes und erstaunlich gut erhaltenes Schwimmbad mit Rundbögen, Gewölbe, Statuen, Wandmalerei und hübschen Fliesenbildern. Das Elisabethbad. Phänomenal schön und viel wichtiger, es ist noch in Betrieb. Wir dürfen es uns ansehen und ich bin echt hingerissen.

Danach lassen wir uns durch die engen Gassen rund um den Aachener Dom treiben und ich kann nicht sagen, welcher Blick aus welcher Gasse mir auf den Dom am besten gefällt. Von außen gefällt er mir allerdings noch besser als von innen, obwohl man das natürlich nicht vergleichen kann. Am Dom selbst ist es herrlich quirlig. Mit dem Duft aromatischer Erdbeeren eines Marktstandes in der Nase, passieren wir einige der vielen Brunnen Aachens und gelangen so zum Rathaus und zum Marktplatz.

Hier stärken wir uns und wenn ich Mirka zwischendurch heimlich betrachte, dann kann ich erkennen, wie gut sich ihre freie Arbeitszeitgestaltung anfühlen muss. Aachen wirkt auf mich gleichsam entspannt und quirlig. Hektik ist nicht zu spüren, trotz einiger Touristen, die man während ihrer Stadtführung in kleinen Trauben stehend, gut identifizieren kann. Mirka berichtet, dass es ihr persönlich zur Weihnachtsmarkt Zeit schon mal  zu viel werden kann, wenn die Touristen Busse weise in die Stadt einfallen.

Vom imposanten Rathaus gehen wir Richtung Elisenbrunnen, wo man die schwefelhaltigen Quellen nicht nur sehen, sondern vor allem auch riechen kann. Der Elisenbrunnen wird immer mal wieder von Tänzern genutzt. Hier finden zum Beispiel Salsa- oder Tangoabende statt. Eine außerordentliche Location. Ich frage mich, wie die Tänzer mit dem Stinkbomben-Geruch klar kommen? Einfach wie in Trance wegtanzen, dann riecht man vielleicht nichts mehr.

 

Ein wenig irritiert bin ich auch über die vielen weihnachtlichen Düfte in den Straßen, war mir doch nicht klar, dass Aachener Printen nicht nur zur Weihnachtszeit konsumiert werden. Es gibt Printenbäckereien, die das Aachener Gebäck in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen produzieren und zu allen Jahreszeiten an ihre Fans verkaufen.

Mir gefällt Aachen! Ich finde es ist eine prima Stadt für eine kurze oder auch längere Auszeit. Unbedingt hinweisen möchte ich noch auf den Stadtteil Kornelimünster im Südosten Aachens, den Puppenspieler Brunnen und die vielen Fahrradwege und Wanderwege um Aachen herum und in Richtung Belgien und der Eifel. Auf hoffentlich bald liebe Mirka!!

Wie schaffen wir das bis zur Rente?

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Manchen wird Angst und Bange wenn sie an ihre verbleibende Arbeitszeit bis zur Rente denken. Oft sind das nur noch wenige Jahre und doch zweifeln Betroffene, ob sie bis dahin überhaupt noch durchhalten.

Aufgaben, die immer umfangreicher werden. Arbeit mit Menschen, Kunden, Eltern oder Kindern, die immer herausfordernder und gefühlt belastender wird. Zu viele Informationen, zu viel Neues, zu viel Veränderung oder zu viel Routine. Zu viel.

 

Wer auf der Straße der scheinbaren Ausweglosigkeit bis zur Rente unterwegs ist, schleppt sich mit jedem Jahr langsamer und gebückter diesen Weg entlang. Den Blick nach unten gerichtet, das Kreuz krumm durch die ganze Last der unliebsamen Aufgaben, dem Ärger und häufiger Konflikte. Der Schritt immer behäbiger, wie gelähmt, der Rücken ächzt  und die Knie schmerzen fürchterlich.

 

Das Ziel ist die Rente – die Erlösung von der Arbeit

 

Arbeit, die körperlich und geistig schmerzt. In der Vorstellung existiert oft überhaupt kein Bild von diesem Ziel. Doch Betroffene spüren es, wenn sie endlich angekommen sind. Sie spüren einen Schlag gegen die Stirn, wenn sie an der Wand der Erlösung anstoßen, denn der Kopf ist weit nach unten gerichtet. Mag für einige in diesem Bild Übertreibung stecken, so ist für viele die Wahrnehmung und das Empfinden bezüglich ihrer Arbeit leider genau so wie beschrieben.

So muss es nicht bleiben!

Jeder kann selbst etwas tun

Was kann man tun, um auf der Zielgeraden zur Rente eher leichtfüssig, vielleicht sogar hüpfend und auf den Lippen ein fröhliches Lied pfeifend am Ziel anzukommen? Was kann man tun, um die Zeit bis zum Ende des Berufslebens sinnvoll und bereichernd zu erleben?

Auch wenn man eher langsam geht und nicht hüpfend und springend. Langsam, nicht weil die Last so schwer zu tragen ist, sondern weil man das Ziel lieber später als früher erreichen möchte. Weil man sein Arbeitsumfeld, seine Aufgabe und damit sein “altes” Leben vermissen wird. Was kann man tun?

1. Von den Anderen lernen

Die, die gerne zur Arbeit kommen. Denen die Arbeit leicht fällt, vielleicht sogar Spaß macht.

In Gesprächen über das, was Arbeit mit uns macht entdeckt man sich selbst und eigene Bedürfnisse neu. Bedürfnisse ändern sich. Was vor einigen Jahren einmal zufrieden gestimmt hat, muss heute längst nicht mehr aktuell sein. Wenn andere, zufriedene Menschen erzählen, was sie mögen und warum, kann man sich selbst betrachten und herausfinden, was eventuell im eigenen Arbeitsleben fehlt. In solche Gespräche zu gehen fällt leichter, wenn man es schafft sich vom dem Genervt sein vom Glück der Anderen zu verabschieden.

2. Zeit anhalten

Einen Moment der persönlichen Betrachtung

Wer definiert und reflektiert wo er in seinem System Arbeit steht und wer sich einen Überblick verschafft, der springt für einen ersten wertvollen Moment aus einer möglichen negativen Spirale heraus. Den Blick aus einer anderen Perspektive auf sich selbst zu richten bietet Chancen zu neuer Erkenntnis.

3. Ressourcen Tankstelle

Energie und Kraft aus eigenen Ressourcen tanken

Wer sich verdeutlicht wo persönliche Ressourcen stecken, dass heißt konkret, sich zu fragen, welche Umstände, Ereignisse und Lebenserfahrungen sich Energie spendend auswirken und froh und kräftig machen, der findet seine persönlichen Ressourcen. Was eventuell sperrig beginnt und nicht immer leicht fällt in die Erinnerung zu rufen, läuft mit ein wenig Übung immer besser. Frag dich, was dich pusht, was dich freut und antreibt. Wann und wie hast du das zuletzt erlebt? In welcher Situation ist dir die Arbeit leicht gefallen, hast du Freude damit erlebt und dabei die Zeit vergessen? Diesen Zustand nenne ich Arbeitsflow, eine Zeit in der Belastung nicht als solche empfunden wird.

4. Der Kern der Arbeit

Zurück zu den Wurzeln

Was genau hat dich seinerzeit diese Arbeit wählen lassen? Sich dieser Frage zu widmen, führt zu den Wurzeln zurück. Dahin, was oft mit Engagement und Leidenschaft für eine Sache beschrieben wird. Diese Wurzeln sind nicht zwangsläufig eine Lösung. Sie dienen dem Abgleich und der Antwort auf die Frage, was davon heute noch wichtig ist. Der freiheitsliebende LKW-Fahrer, dessen Herz für starke Maschinen und Motoren schlägt. Für den die Freiheit auf den Straßen der Republik liegt. Der Bäcker, der bis zum Ellenbogen im Mehl und Brotteig steckt und mit seinen eigenen Händen etwas produziert und die Welt in den frühen Morgenstunden genießt. Die Assistentin der Geschäftsführung, die entspannt von der Arbeit nach Hause geht, obwohl sie einen Berg an Arbeit bewältigt hat. Ihr Bedürfnis nach guter Organisation ist voll umfänglich gestillt, wenn sie ihrem Chef den Rücken freihält… Was sind die Wurzeln deiner Arbeit und was ist davon noch relevant?

 

Es gibt weitere Punkte, die sich zu betrachten lohnen, um den eigenen Weg bis zur Rente weniger beschwerlich zu gestalten. Sich aufzurichten und die schwere Last abzuwerfen. Dazu biete ich einen Austausch an, schreib mir gerne. Wie sieht dein Weg aus? Kannst du deine Rente kaum erwarten und was sind deine Strategien? Aushalten oder anpacken?

Berufliche Neuorientierung als Bürgermeister

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Jobwechsel: Demnächst Bürgermeister

In Schwerte wird gewählt. Selten ist ein Jobwechsel, eine berufliche Neuorientierung so öffentlich. Selten betrifft dieser eine Wechsel so viele Menschen auf einmal. Für eine oder einen der sechs Bürgermeisterkandidaten in Schwerte, wird sich das Berufsleben in Kürze drastisch verändern.

 

Szene in einem Schwerter Haushalt 

Wir diskutieren die anstehende Wahl beim Abendbrot mit unseren Kindern.

„Was macht eigentlich genau ein Bürgermeister?“, fragt die eine Tochter.

„Der ist Chef von der ganzen Stadt!“, antwortet die Kleinere. „So, wie Angela Merkel Chefin von ganz Deutschland ist“, wird noch ergänzt.

Wir Eltern fragen: „Was würdet ihr euch von der neuen Bürgermeisterin/Bürgermeister wünschen? Was sollte die/der Bürgermeister in Schwerte tun?“

„Also ich würde mich am meisten über die “Knetbäckerei von Play doh” freuen“, sagt die Kleinere.

Die große Tochter: „Ich finde gut, wenn der Bürgermeister macht, dass Kinder auch schon arbeiten dürfen. Ich bräuchte dann so ein kleines gemütliches Büro mit einem Schreibtisch am Fenster und einem schönen Blick auf den Kirchturm und überall sollen Bücher herumstehen!“

 

 

So einfach ist das. Bestechlichkeit und Kinderarbeit – was sagt man dazu?

 

 

Wir finden, dass der neue Job ganz schön viel Verantwortung mit sich bringt und wir fragen uns, ob die Kandidaten wissen worauf sie sich bei diesem Jobwechsel einlassen? Es ist immer mutig sich beruflich neu zu orientieren. Denn das bedeutet Veränderung, sowohl beruflich als auch privat. Viele scheuen diese Veränderung und bleiben lieber da, wo sie sind, wo sie sich gut auskennen. Der Beruf der Bürgermeisterin/ des Bürgermeisters bringt zusätzlich die Herausforderung der Öffentlichkeit mit sich. Jeder Bürger-/in der Stadt wird genau betrachten, wie der neue Job ausgeübt wird. Es wird bewertet und das muss man erstmal aushalten. Die Öffentlichkeit erhöht folglich den Druck auf die neuen Kandidaten um ein Vielfaches.

 

 

 

Hoffentlich und vermutlich ist es so, haben die Kandidaten sich selbst gut reflektiert und wissen genau, ob sie über die erforderlichen Fähigkeiten und Talente ihres Berufswunsches verfügen. Vielleicht bilden sie sich auch schon vorab weiter, stärken ihre Schwächen und bereiten sich auf die anstehenden Herausforderungen im Amt des Bürgermeister-/in vor.

 

Eventuell ist dies ein banaler Vergleich, wenn ich an dieser Stelle anführe, wie sehr mich eine Szene aus dem beruflichen Alltag einer Schwerter Bio-Fleischerei beeindruckt hat. Die neue Auszubildende der Fleischerei, erst wenige Tage im “Amt”, erhielt fürsorgliche Unterstützung beim Abwiegen, bei der Identifikation der unterschiedlichen Fleischsorten und beim Bedienen der Kasse durch Ihre Arbeitskollegin. Sie wurde gelobt, ermutigt und mit Geduld umhüllt.

 

 

Beste Arbeitsbedingungen zum Lernen eines neuen Berufes.

 

 

Ich wünsche allen Kandidaten Ermutigung und Geduld beim Ausführen Ihres neuen Berufes. Wenn sie von Beginn an bedrängt, überfordert, gedisst und für Fehler abgewatscht werden, ist das nicht nur für sie selbst eine Katastrophe, sondern in meiner Wahrnehmung für die ganze Stadt. Wir sind gespannt und wir gehen wählen!

Mitarbeiterführung: Von Schafhirten und Influencern

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Von Schafhirten und Influencern

Ein Hirte achtet auf seine Schafe. Geht mit ihnen von einer Weide zur nächsten. Wechselt ein Tier dabei die Richtung oder verlässt es die Herde, folgen ihm prompt einige Tiere. Der Hirte hat Unterstützung, sein Hütehund umrundet das bewegliche Wollknäuel fortwährend und führt die Tiere sicher zur Herde zurück. 

Für einen Vergleich von einer durch Hirten geführten Schafherde mit einem Unternehmen bedarf es eines gewissen Maßes an Fantasie. Teile des Bildes “Hirte mit Schafherde” begegnen mir in meiner Arbeit in Unternehmen jedoch oft.

 

Unternehmensführung arbeitet daran Gewinne zu erzielen und Wachstum zu sichern. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Die Führung achtet auf das Unternehmen und die eigenen Mitarbeiter. So weit, so gleich. Aus unterschiedlichen Gründen verlassen Menschen eine homogene Mitarbeitergruppe. Veranlasst durch Wechsel in der Führung, durch unpopuläre Entscheidungen oder Misserfolg, manchmal sind persönliche Befindlichkeiten der Auslöser. Sie verlassen sie nicht physisch, sondern vielmehr geistig. Man könnte sagen, sie werden gesinnungsuntreu. Manche werden so untreu, dass sie innerlich kündigen aber trotzdem physisch anwesend bleiben.

Hier ziehe ich den Vergleich zum Bild der Schafherde. Prompt oder nach und nach, nicht selten jedoch mit steigender Anzahl, folgen dem gesinnungsuntreuen Mitarbeiter weitere. Sie verlassen gedanklich die Gruppe, folgen nicht mehr dem Gruppenflow. Diese Mitarbeiter werden in eine andere Richtung gesogen.

Je nach Persönlichkeit des Gesinnungsuntreuen, schafft er oder sie es, großen Einfluss auf andere Kollegen zu nehmen. Es wird lautstark Unmut geäußert, “Stimmung” gegen einzelne Führungspersonen und gegen die Geschäftsführung gemacht. Regeln bewusst missachtet und Grenzen überschritten. Hier fällt schnell der Begriff des Rädelsführers. Ein Anstifter, den man so nur im negativen Sinn bezeichnet.

 

 

Was ist die Folge dieser Einflussnahme und was bedeutet die Aufspaltung der einst homogenen Mitarbeitergruppe für das Unternehmen? Der Fokus auf die eigentliche Arbeit ist gestört. Die Produktivität und Stärke einer Gruppe, die an gleichen Zielen arbeitet ist geschwächt und forthin bedroht. Die einst starke Säule der Zufriedenheit einzelner Mitarbeiter beginnt zu bröckeln.

 

 

Was macht der Hirte in dieser Situation mit seiner Herde? Er handelt, er schickt seinen Hütehund. Der führt die Tiere sicher zurück zur Herde. Alles ist wieder in seiner Ordnung.

Was geschieht in Unternehmen? Von es wird gar nicht realisiert, es bleibt unbeachtet, nicht korrekt lokalisiert, bis hin zu die Hütehunde führen nicht zurück, sondern befördern aus dem Unternehmen heraus, ist wohl alles dabei. In jedem Fall bedeutet es Aufwand. Es handelt sich um langatmige, anstrengende Prozesse, die die Unternehmen im Voranschreiten erheblich blockieren.

 

 

Was kann getan werden und wie können Influencer helfen?

 

 

Das Interesse für die Mitarbeiter und die Stimmung in der Gruppe verdient mehr Fokus. Kritik, die dauerhaft überhört wird, bedeutet letztlich gefährlicher Zündstoff.

 

Frühzeitig wahrnehmen, Stimmen und Meinungen ernst nehmen und Richtungswechsel zeitnah hinterfragen. Miteinander sprechen und Lösungen finden, erhöht die Chance auf den Erhalt homogener Gruppen. Eine Gruppe, die zumindest grob in die gleiche Richtung geht.  Positiven Meinungsmachern, wir nennen sie zeitgemäß Influencer, mehr Beachtung schenken. Deren positive Zugkraft nutzen und Mitarbeitern, die ihnen folgen wollen zur Verfügung stellen.

 

Dieser Schritt ähnelt einem Injizieren von Gegengift oder dem Installieren vom magnetischen Pluspol zum bereits vorhandenen Minuspol. Tja, wir werden das Rad nicht neu erfinden. Also warum nicht das anwenden, was sich tausendfach bewährt hat?

 

Warum nicht die Intelligenz der Gruppe nutzen und neue Ideen entwickeln? Ideen aus den eigenen Reihen. Ideen, die die Bedürfnisse der Gruppe abbilden, die die Zufriedenheit erhalten und einen Wechsel in eine andere Richtung überflüssig  machen.

 

Alles viel zu aufwendig? Es gibt genug Menschen, die arbeiten wollen. Schicken wir den Hütehund und ziehen die Störer aus der Herde. Was würde dazu wohl der Hirte sagen?

Work Design 

 

Im arbeitsglücklich® Training für Unternehmen steige ich mit der Beachtung dessen ein, was Rädelsführer und ihnen folgende Arbeitskollegen bewegt. Ich starte mit dem Graben nach der Wurzel des Unmuts. Es würde langfristig keinen Sinn machen das Unkraut nicht mit der gesamten Wurzel aus der Erde zu ziehen. Auch Unmut wächst nach!

 

Mit Work Design, Techniken angelehnt an das Design Thinking, erarbeite ich gemeinsam mit Mitarbeitern den Status Quo ihrer blockierenden Problemfelder und gut funktionierender Arbeitsfelder. Mit der Betrachtung der zeitlichen Entwicklung der Problemfelder, auch in Zusammenhang mit äußeren Faktoren, findet die Gruppe zielsicher die Auslöser.

 

Dann beginnt die kreative Ideenentwicklung für gemeinsame Lösungswege. Eine Arbeitsphase mit viel Energie, Auseinandersetzung und Commitment. Ohne Druck durch die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, entwickeln  die Mitarbeiter einen Pool von möglichen Ideen. Diese werden in der Umsetzungsphase getestet. Bei Dysfunktionalität wieder verworfen, weiterentwickelt und neu getestet. Erfolgsversprechend ist, dass Lösungswege aus der Gruppe gewachsen sind und dann in Absprache mit der Unternehmsführung gebracht werden.

Wenn Lösungen und Arbeitsschritte nicht ausschließlich von Entscheidern oktroyiert werden, entsteht Identifikation, allgemeine Akzeptanz und Umsetzungskraft.

 

Dafür ist im Unternehmensalltag wenig Zeit. Involvierte Personen sind, wenn auch indirekt, trotzdem Beteiligte. Sie sind nicht neutral und können demzufolge nicht die Offenheit erzeugen, die es braucht, um sich wieder anzunähern. Es gibt wertvolle Mitarbeiter für die es sich lohnt. Die sich in Ecken manövriert haben, aus denen sie alleine nicht mehr heraus kommen.

 

Die Parallele zu dem Bild mit der Schafherde ist meine Arbeit als Hütehund. Ich schütze die Mitarbeiter, die arbeitsglücklich® ihren Job machen und bringe die zurück, die den Anschluss verloren haben.